Heute morgen bekam ich über eine Netzwerkplattform den Link zur aktuellen Ausgabe des Hochschulkuriers der Universität der Bundeswehr München zugeschickt. Als ich das PDF kusorisch scannte - moderne Leserinnen und Leser heißen nur noch so, tun es aber immer weniger - blieb ich an der folgenden Bildunterschrift hängen:
“Vor dem neuen Studierendenjahrgang liegt der wichtigste und längste Abschnitt der Offiziersausbildung”

Trotz nunmehr 10 Jahren ziviler Berufstätigkeit, warf mein Hirn eine Fehlermeldung aus, und ich dachte mit einer kleinen lästerlichen Statusmeldung auf Facebook, wäre dem Thema Genüge getan. Das ist es nicht, wie der ein oder andere Kommentar nahelegt. Wer das Thema Ausbildung der Offiziere Ernst nimmt, kann es nicht bei Lästereien belassen, er muss erklären, was ihn an dieser Bewertung irritiert. Damit ist, und dass macht es besonders, fast zwingend verbunden, sich selbst zu erklären. Die Bildunterschrift und der zugehörige Artikel haben ein faustisches Moment.
„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?”
Herausgeberin des Hochschulkuriers und Stichwortgeberin für die Bildunterschrift ist die Präsidentin der Universität der Bundeswehr München, Prof. Merith Niehuss, die, so der Artikel anlässlich der Begrüßung des neuen Studierendenjahrgangs “(…) in ihrer Begrüßungsrede (betonte), dass vor den Studierenden nun der wichtigste und längste Abschnitt ihrer Offizierausbildung liege”.
Diese Bewertung ist mit Blick auf die Länge der Ausbildung so richtig, wie sie hinsichtlich der Bedeutung falsch, ja gefährlich ist.
Der Offizier der Bundeswehr ist Führer, Erzieher und Ausbilder der ihm unterstellten Soldaten. Im Frieden, wie im Einsatz. Und der Offizier ist ein Krieger, Kämpfer, Kombattant. Die wichtigste Ausbildung des Offiziers kann daher nur die sein, die ihn befähigt, sich selbst und die ihm anvertrauten Soldaten im Kampf zu führen. Denn an der Fähigkeit, dies zu tun, hängen Fragen von Leben und Tod.
Dass die Präsidentin einer Universität, zu deren Selbstverständnis es gehört, die Wirklichkeit wissenschaftlich kritisch zu reflektieren, Offizieranwärter mit diesen Worten begrüßt, wird weder dem selbst gestellten Anspruch der Universität noch dem Berufsziel der jungen Soldaten gerecht. Es ist dringend geboten, über soldatische Identität in der modernen Gesellschaft im Allgemeinen und die Rollen des Offiziers im Besonderen zu diskutieren, und welcher Ort böte dazu einen besseren Rahmen als eine Universität der Bundeswehr?
Einige Impulse dazu habe ich versucht, bei der Podiumsdiskussion “Den Krieg erklären? - Kommunikationsmanagement und Sicherheitspolitik” zu geben, zu der Natascha Zowislo-Grünewald, Professorin für Unternehmskommunikation, eingeladen hatte.Außerdem habe ich mich am Rande der Veranstaltung mit Martin Böcker, dem Chefredakteur der Campus, der Zeitung des studentischen Konvents, zu einem Gespräch verabredet, das genau um diese Themen kreist und hier im PDF nachzulesen ist.