Archive for the ‘Allgemein’ Category

Let´s talk about money

Dienstag, Januar 31st, 2012

Bei einer Personalstärke von ca. 1,5 Millionen investieren die US-Streitkräfte 667 Millionen Dollar in Werbung.

Wenn die Bundeswehr ähnlich agieren würde, müsste sie im Einzelplan 14 ca. 67 Millionen Euro für diesen Zweck ausweisen. Rechnet man die dort ausgewiesenen Posten für Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit großzügig zusammen, ergibt sich eine Summe von weniger als 20 Millionen Euro. Das ist zwar immer noch viel Geld, aber wer, wie das Bendler-Blog, regelmäßig die mangelnde Qualität des kommunikativen Auftritts der Bundeswehr kritisiert, muss auch die fehlende Quantität zur Kenntnis nehmen.

Das heißt nicht, dass die Bundeswehrwerbung durch mehr Geld automatisch besser werden würde. Allerdings entsteht Qualität auch dadurch, dass Führungspersonal professionelle Erfahrungen sammelt. Wenn aber Offiziere nie für ein Budget verantwortlich sein können, dass ihr Monatsgehalt übersteigt, kann man von Ihnen auch nicht erwarten, kompetente Entscheidungen zu treffen.

SOPA

Mittwoch, Januar 18th, 2012

Der Header des Bendler-Blog ist heute schwarz, weil Freiheit und Zensur meines Erachtens nicht zusammenpassen, letztere ohnehin unwirksam ist und also nur professionelles Angstmanagement sein kann. Ein Bürger aber soll keine Angst haben.

Eine Ausnahme? - Der Krieg ist die Ausnahme!

Freitag, Januar 13th, 2012

Es sind, nicht nur für Zivilisten, verstörende Bilder. US-Soldaten urinieren auf die Leichen ihrer Feinde. Die offiziellen Erklärungen dazu sind hingegen nicht verstörend. Im Gegenteil: Sie sind konsistent, mit einem Muster, dass sich spätestens seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts etabliert hat. Grausamkeiten in Kriegen werden zur Ausnahme erklärt. Die “Wahrheit” aber ist: Der Krieg ist die Ausnahme, in der Grausamkeit die Regel ist. Der Schritt von der professionellen, also nicht in Notwehr erfolgten Tötung meines Feindes zu seiner Schändung ist kleiner als der Schritt vom Zivilisten zum Soldaten. Dennoch: Für Streitkräfte gibt es keine Alternative. Sie müssen diese Fälle zur Ausnahme erklären, weil sie ansonsten nicht legitimierbar wären - besonders in Deutschland.

Für eine Gesellschaft wie der deutschen, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges von Kriegen und Grausamkeiten verschont geblieben ist, sind Bilder wie diese noch verstörender als für Menschen in Staaten wie den USA, die in weiten Teilen immer noch von einer Gewaltkultur geprägt sind. Aber: Auch deutsche Soldaten sind gegen entsprechende Übergriffe nicht gefeit. Die so genannten Schädelfotos, bei denen Bundeswehrsoldaten meinten, Skelette mit ihren Geschlechtsteilen dekorieren zu müssen, sind Ausdruck der gleichen Kultur, wie die aktuellen Aufnahmen der amerikanischen Kameraden.

Krieg bzw. Kampf sind existentielle Momente. Es geht um Leben und Tod, und es ist kein Zufall, dass sich bei den Soldaten Todes- und Lebenstrieb im Sinne Freuds Bahn brechen. Ja, es widerspricht unseren zivilisatorischen Standards. Ja, es ist grausam, es ist widerlich. Aber wir können uns nicht einfach zurücklehnen und sagen, die Soldaten müssen sich halt beherrschen, denn wir, die wir die Soldaten in den Einsatz schicken, liefern sie einer Herrschaft aus, der des Krieges, die mächtiger ist, als unsere zivilisatorischen Standards. Das ist das Paradoxon unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung. Wir “entzivilisieren” Menschen und machen sie zu Soldaten, damit die Mehrheit zivilisiert bleiben kann.

Die eigentliche Leistung ist es daher, dass es nur so wenige Übergriffe wie die vorstehend genannten gibt (das schließt auch eine mögliche Dunkelziffer ein). Wir müssen uns daher als Gesellschaft damit auseinandersetzen, was wir unseren Soldaten zumuten wollen und vor allem, wie wir sie wieder integrieren, wenn sie nicht mehr im Einsatz sind bzw. wenn sie ihre soldatische Laufbahn beenden. Gewalt und Grausamkeiten zur Ausnahme zu erklären schützt dabei nicht die Soldaten sondern vor allem ihre Auftraggeber, also uns.

Inspiriert unter anderem von diesem Artikel von Robert Fisk im Independent: “This is not about ‘bad apples’. This is the horror of war.” sowie der Diskussion bei Thomas Wiegold.

Des Kaisers neue Kleider?

Dienstag, Januar 10th, 2012

Wie man hört, ist der Verteidigungsminister ja sehr stolz darauf, dass der Claim “Wir.Dienen.Deutschland.” eine “Eigenentwicklung” der Bundeswehr ist. Die Wir-machen-es-uns-selbst-Euphorie scheint nun den Personalwerbern der Bundeswehr zu Kopf gestiegen zu sein.

Das Personalamt der Bundeswehr verschickt derzeit wohl allen Ernstes einen Link auf die folgende Landing Page an potentielle Nachwuchsführungskräfte:

Des Kaisers neue Kleider

“Lust auf neue Klamotten” haben die Personalwerber ranschmeißerisch getextet und einen allenfalls semi-professionellen YouTube-Clip dazu gestellt. Während also aktive und ehemalige Offiziere hier und andernorts intensiv über das Selbstverständnis des Offiziers diskutieren, kalauert sich das Personalamt durch das Internet. Das ist inhaltlich falsch und handwerklich schlecht.

Und so kontrovers die Diskussion über das Wesen des Offizierberufes auch ist, eines eint sie: Es geht - so pathetisch es auch klingen mag - um innere Werte, geistige und charakterliche Bildung und nicht um Klamotten. Vielleicht könnte das jemand mal dem obersten Personalwerber der Bundeswehr, Generalmajor Manfred Schlenker, bei Gelegenheit ausrichten. Denn wer auch immer sich ernsthaft mit der Option beschäftigt, Offizier zu werden, dürfte auf den ersten Blick erkennen, dass der hier werbende Kaiser nackt ist. Oder sucht die Bundeswehr eventuell bewusst nach Typen, die so sind, wie es General a.D. Egon Ramms in einem Beitrag für die Zeitschrift des Reservistenverbandes treffend auf den Punkt bringt: “Wir haben zu viele profillose Offiziere.”?

Nachtrag
Auf der Facebook-Seite von Wir.Dienen.Deutschland. entspinnt sich gerade eine kleine Diskussion, die mir folgendes verdeutlicht hat. Unter Führung des Personalamtes entsteht bei Kommunikationsmaßnahmen offenkundig immer eine vergleichbar schlechte Qualität entsteht, unabhängig davon ob Mitarbeiter einer Agentur oder Bundeswehrangehörige an der Aufgabe arbeiten. Das war bei den unsäglichen Radiospots so. Das ist hier der Fall. Beide werden durch einen unernsten, kalauernden Stil geprägt, der im scharfen Kontrast zur Ernsthaftigkeit des soldatischen Tuns steht. Darüber lohnt es sich, nachzudenken.

Nachtrag 2
Hier noch die dazugehörige Postwurfsendung:

Postwurfsendung1

Postwurfsendung2

Weihnachtswünsche

Freitag, Dezember 23rd, 2011

“Dat Johr geit to End” heißt ein ein schönes plattdeutsches Weihnachtslied von Rolf Zuckowski (ja, der). Und weil das Jahr zu Ende geht, möchte ich mich ganz herzlich bei allen Leserinnen und Lesern für ihr Interesse und die zahlreichen On- und Offline-Kommentare und -Begegnungen bedanken. Ihr seid/Sie sind das Blog. Ich schreibs nur auf.

3 Weihnachtswünsche möchte ich noch sagen:

Allen Soldatinnen und Soldaten im Einsatz und zu Hause ein gesegnetes Fest, Gesundheit, Glück und Kraft, auch dunkle Stunden und Tage durchzustehen.

Den Kameraden von Radio Andernach wünsche ich möglichst viele Hörer für ihren Internetlivestream, der bis zum 2. Januar auch für uns Zivilisten zu empfangen ist. Wie das geht, steht hier: http://www.radio-andernach.bundeswehr.de/portal/a/rander

Persönlich wünsche ich mir für 2012 ein Streitgespräch zwischen den Kommandeuren der Offizierschulen, dem Kommandeur der Führungsakademie und derPräsidentin der Universität der Bundeswehr München. Offen, konstruktiv, nachhaltig, denn wir müssen eine breite Basis schaffen, um über diesoldatische Identität im Allgemeinen und über die Rolle des Offiziers im Besonderen zu diskutieren.

Die Gretchenfrage für den Offizier

Dienstag, Dezember 20th, 2011

Heute morgen bekam ich über eine Netzwerkplattform den Link zur aktuellen Ausgabe des Hochschulkuriers der Universität der Bundeswehr München zugeschickt. Als ich das PDF kusorisch scannte - moderne Leserinnen und Leser heißen nur noch so, tun es aber immer weniger - blieb ich an der folgenden Bildunterschrift hängen:

“Vor dem neuen Studierendenjahrgang liegt der wichtigste und längste Abschnitt der Offiziersausbildung”

Screenshot Hochschulkurier

Trotz nunmehr 10 Jahren ziviler Berufstätigkeit, warf mein Hirn eine Fehlermeldung aus, und ich dachte mit einer kleinen lästerlichen Statusmeldung auf Facebook, wäre dem Thema Genüge getan. Das ist es nicht, wie der ein oder andere Kommentar nahelegt. Wer das Thema Ausbildung der Offiziere Ernst nimmt, kann es nicht bei Lästereien belassen, er muss erklären, was ihn an dieser Bewertung irritiert. Damit ist, und dass macht es besonders, fast zwingend verbunden, sich selbst zu erklären. Die Bildunterschrift und der zugehörige Artikel haben ein faustisches Moment.

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?”

Herausgeberin des Hochschulkuriers und Stichwortgeberin für die Bildunterschrift ist die Präsidentin der Universität der Bundeswehr München, Prof. Merith Niehuss, die, so der Artikel anlässlich der Begrüßung des neuen Studierendenjahrgangs “(…) in ihrer Begrüßungsrede (betonte), dass vor den Studierenden nun der wichtigste und längste Abschnitt ihrer Offizierausbildung liege”.

Diese Bewertung ist mit Blick auf die Länge der Ausbildung so richtig, wie sie hinsichtlich der Bedeutung falsch, ja gefährlich ist.

Der Offizier der Bundeswehr ist Führer, Erzieher und Ausbilder der ihm unterstellten Soldaten. Im Frieden, wie im Einsatz. Und der Offizier ist ein Krieger, Kämpfer, Kombattant. Die wichtigste Ausbildung des Offiziers kann daher nur die sein, die ihn befähigt, sich selbst und die ihm anvertrauten Soldaten im Kampf zu führen. Denn an der Fähigkeit, dies zu tun, hängen Fragen von Leben und Tod.

Dass die Präsidentin einer Universität, zu deren Selbstverständnis es gehört, die Wirklichkeit wissenschaftlich kritisch zu reflektieren, Offizieranwärter mit diesen Worten begrüßt, wird weder dem selbst gestellten Anspruch der Universität noch dem Berufsziel der jungen Soldaten gerecht. Es ist dringend geboten, über soldatische Identität in der modernen Gesellschaft im Allgemeinen und die Rollen des Offiziers im Besonderen zu diskutieren, und welcher Ort böte dazu einen besseren Rahmen als eine Universität der Bundeswehr?

Einige Impulse dazu habe ich versucht, bei der Podiumsdiskussion “Den Krieg erklären? - Kommunikationsmanagement und Sicherheitspolitik” zu geben, zu der Natascha Zowislo-Grünewald, Professorin für Unternehmskommunikation, eingeladen hatte.Außerdem habe ich mich am Rande der Veranstaltung mit Martin Böcker, dem Chefredakteur der Campus, der Zeitung des studentischen Konvents, zu einem Gespräch verabredet, das genau um diese Themen kreist und hier im PDF nachzulesen ist.

Die Bundeswehr-Reform – Ihre Chance. Call for Papers.

Dienstag, Dezember 13th, 2011

Detlef Buch, Oberstleutnant und Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, plant, einen Sammelband herauszugeben, in dem die aktuelle Reform der Bundeswehr sozialwissenschaftlich beleuchtet wird. Interessant an der Anlage ist, dass Buch nicht die übergreifenden Aspekte wie Streitkräftestruktur oder gesetzliche Rahmenbedingungen betrachten will, sondern den „menschlichen Faktor.“

Gemeint sind damit, so lese ich das, weder Schmusekurs noch Stuhlkreis, sondern der Umstand, dass der aktuelle Veränderungsprozess unter deutlich veränderten Bedingungen abläuft, als die Strukturreformen der vergangenen Jahre. So ist beispielsweise die Maßgabe „vom Einsatz her zu denken“ deutlich näher am Erleben vieler Soldaten als dies bei der abstrakten, nicht direkt gekoppelten Bedrohung zu Zeiten des kalten Krieges der Fall war.

Spannend dürfte auch sein, ob und inwieweit sich die veränderte Kommunikationslandschaft auf die Reform auswirkt. Ein konkretes Beispiel, das sich zu untersuchen lohnen dürfte, könnten die Aktivitäten der noch recht jungen Veteranenverbände sein, die neben der klassischen Verbandsarbeit gezielt und erfolgreich die Möglichkeiten des so genannten Web 2.0 nutzen, um ihre Anliegen vorzutragen und Forderungen umzusetzen.

Den „Call for Papers“ können sich interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Experten aus der Praxis hier herunterladen. Abstracts (deutsch oder englisch) können bis zum 05. Januar 2012 per Mail bei Dr. Detlef Buch eingereicht werden: detlef.buch@swp-berlin.org

EU-Internet-Krieger zu Guttenberg?

Montag, Dezember 12th, 2011

Ich hatte ja gehofft, um das Thema zu Guttenberg hier im Blog herumzukommen. Mit der Hilfe von EU-Kommissarin Neelie Kroes hat er es aber doch geschafft, auch dieses Block zu hacken. Nicht im technischen Sinne wohlgemerkt, sondern sozial. Überhaupt ist der “social hack” eines der wesentlichen Gestaltungsprinzipien für die Diskurse der vernetzten Gesellschaft,vor allem bzw. gerade weil er ohne konkrete technische Kenntnisse möglich ist.

Besonders bemerkenswert fand ich die folgende Bemerkung von Kroes zu der zukünftigen Rolle von zu Guttenberg als Internet-Berater: “Er hat zwei Ministerien geführt, die für dieses Thema relevant sind.” Wirtschaft und Krieg im und mit dem Internet sind im Verständnis von Kroes also von zentraler Bedeutung für die EU-Kommission. Ob das mit Catherine Ashton abgesprochen ist? Wie dem auch sei, mit seiner Vorerfahrung als Täuscher und Trickser ist zu Guttenberg vermutlich über alle Maßen qualifiziert, im Namen der EU grau und schwarze Propaganda - auch in eigener Sache - zu betreiben. Was das aber mit der eigentlich zivilgesellschaftlich ausgerichteten digitalen Agenda der EU zu tun hat, würde ich dann aber schon gerne wissen. Und sonst? Sonst ist das zum Kotzen.

Nachwuchswerbung light - Die Arnold-Malczak-Kollektion

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

“Neu?”,  “Nein, mit Perwoll gewaschen.” Nachdem er in der Debattentrommel einmal gründlich weichgespült und konform zur Corporate Identity des YouTube-Kanals der Bundesregierung (man kann ja nie wissen, wo er eingesetzt wird) mit Worten unterlegt wurde, präsentiert sich nun der Bundeswehr-Trailer für …, ja, für was eigentlich?

Also im Abspann steht “Wir.Dienen.Deutschland.” über “Karriere mit Zukunft.” Aber war das erstere nicht die Kampagne zum neuen Selbstverständnis der Bundeswehr und also keine Nachwuchswerbung? Und ist es nicht eigentlich ein no go, zumindest aber fragwürdiges Hand- bzw. Kopfwerk zwei Claims übereinander zu hämmern? Und was soll der Appell “Informieren Sie sich!” am Ende des Spots? Worüber - Karriere bei der Bundeswehr ist klar, aber wo? Kein URL, kein Link, kein weiterer Hinweis (Ich habe das hier mal händisch in 2 Minuten nachgebaut: http://www.youtube.com/watch?v=jEHo_h3yo0E)!

Aber, ganz wichtig, keine einzige Explosion, kein einziger Schuß. Das ist in Summe einfach nur gaga, aber sehen Sie selbst:

Die Vermischung der Claims ist übrigens kein Zufall sondern gewollt. Derzeit testet die Bundeswehr auf ihrer Karriereseite wieder einige mögliche Plakatmotive, die ebenfalls diese Dopplung tragen. Ich finde diese ja eher so mittelmäßig und frage mich, wen die Truppe damit hinter dem Ofen hervorlocken will? Na ja, vielleicht sprechen Herr Arnold und Frau Malczak damit ja in ihren Kreisverbänden gezielt junge, ernsthafte Menschen an:

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Informationen über Afghanistan? - Bestellen Sie sich doch eine Broschüre

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

Mancher erinnert sich vielleicht. Im Mai 2010 habe ich beim Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht, mit der ich eine verbesserte, also vor allem transparentere und kontinuierlichere Berichterstattung der Bundesregierung über den Einsatz deutscher Zivilisten und Soldaten in Afghanistan anregen wollte. Eine zentrale Forderung: Die Bunderegierung möge das Parlament und die Öffentlichkeit vierteljährlich sowohl in öffentlicher Sitzung des Bundestages als auch schriftlich in Form eines Afghanistan-Berichtes informieren, also so, wie das beispielweise die kanadische Regierung getan hat. Nun ist das Petitionsverfahren abgeschlossen. Der Petitionsausschuss des Bundestages empfiehlt, das Petitionsverfahren abzuschließen, weil - und jetzt wird es interessant - “dem Anliegen teilweise entsprochen wurde.”

War die Petition also erfolgreich? Ich bin da zwiegespalten. Einerseits hat sich seit Mai 2010 in der Tat einiges getan. So informiert das Verteidigungsministerium seit Februar 2011 mit seiner “Unterrichtung der Öffentlichkeit” interessierte Leser über die Lage in den Einsatzgebieten. Diese wiederum sind eine deutlich abgespeckte Version der wöchentlichen Unterrichtung des Parlaments. Bereits im Dezember 2010 hat das Auswärtige Amt erstmals einen Fortschrittsbericht veröffentlicht und diesen im Juli 2011 mit einem Zwischenbericht fortgeschrieben. Andererseits sind diese Berichte inhaltlich sehr eindimensional - über das, was deutsche Soldaten und Helfer in Afghanistan leisten, erfährt man wenig bis nichts - und gestalterisch alles andere als Glanzstücke der Informationsaufbereitung, und von einer offenen Plattform, die es begabteren Akteuren als dem vonBundespresseamt beauftragten Grafikern, erlaubten, die Daten auszuwerten und zu visualisieren, ist weit und breit nichts zu sehen. Das so etwas prinzipiell möglich ist, zeigt unter anderem eine Open Data-Plattform der US-Regierung. Unter www.data.gov/opengovplatform finden sich unter anderem so sensible Daten wie die Selbstmordrate des US Heeres, um nur ein Beispiel zu nennen. Im Detail kann ich die Plattform nicht bewerten, weil ich kein Open Data-Experte bin, halte sie aber für den Ausdruck einer grundsätzlich richtigen Haltung (vzgl. auch die Kurzmeldung bei Heise).

Deutlich anders ist offenkundig die Haltung des Bundestages bzw. des Petitionsausschusses. Dieser sagt, Bürger und Bürgerinnen könnten Fakten und Daten auf der Webseite des Bundesregierung zu Afghanistan in Erfahrung bringen und sich im Übrigen ja Broschüren über den Einsatz bestellen. Nun ja.

Das Parlament kann sich dagegen deutlich besser informiert fühlen, schließlich erhält es wöchentlich die bereits oben erwähnte “Unterrichtung des Parlaments” den der Einsatzführungsstab des Verteidigungsministeriums erstellt. Diese Unterrichtug ist als “Verschlußsache - Nur für den Dienstgebrauch” eingestuft, enthält aber nicht wirklich kritische Informationen. Es wäre ein Leichtes, diese Daten freizugeben. Allerdings bilden diese Unterrichtungen nur die militärische Perspektive ab. Darüber, was Auswärtiges Amt, BMZ und Innenministerium über Afghanistan zu berichten haben, findet sich nichts.

Interessant ist ein weiteres Detail des abschließenden Schreibens des Petitionsausschusses. Dieser hat nämlich sowohl den Antrag der Fraktionen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen mehrheitlich abgelehnt, die Petition der Bundesregierung als Material zu überweisen, um eine unabhängige Evaluation des Einsatzes der Bundeswehr voranzutreiben, als auch den Antrag der Fraktion Die Linke, die Petition an das Auswärtige Amt und dem BMZ zu überweisen sowie den Fraktionen des Bundestages zur Kenntnis zu geben. Das heißt: Offenkundig dominieren auch im Petitionsausschuß die Interessen der Parteien, nicht die der Bürger. Ich google jetzt mal “Politikverdrossenheit.”

Wer mag, kann Beschlussempfehlung Petition Berichterstattung über den Afghanistan-Einsatz.